Trotzdem lohnt es sich, beim Kauf von Segelbekleidung auf ein paar Dinge zu achten. Hier also meine Tips:
Bei
Gummistiefeln eignen sich solche für Gartenarbeit nicht, da sie einerseits schwarze Streifen auf weißen Bootsrümpfen hinterlassen und andererseits wenig rutschfest sind. Segelstiefel sind sinnvoll, damit das Wasser, das gerade von der Hose abperlt, nicht munter in die Schuhe läuft; sehr unangenehm! Sie haben eine Art Fischgrätenmuster in der hellen Gummisohle, so daß auch bei taufeuchtem Deck ein guter Grip gegeben ist. Zum Beispiel von Gotop für gut angelegte 38 Euro.
Segelhandschuhe sind unverzichtbar! Es gibt sie mit 5 abgeschnittenen Fingerkuppen (Gotop 10 Euro) oder mit drei Vollfingern, so daß 'halbnackte' Daumen und Zeigefinger Knoten öffnen und schließen können. Welche vorzuziehen sind ist Geschmacksache und unter Eingeweihten heiß umstritten. Die Segelhandschuhe sind absolut notwendig - wer einmal eine Schot durch die Handfläche hat rauschen lassen, weiß, daß Verbrennungen an dieser Stelle für den Rest des Lebens Handarbeit jeglicher Art ausschließen. Das Wichtigste ist eine hinreichend raue Fläche im Bereich des Handtellers. Einige Hersteller bieten daher Kevlarverstärkte Handschuhe an, die eine besonders raue Innenfläche haben - etwa Gill 20 Euro, lohnt sich. Handschuhe eng kaufen, da sich nasses Leder schnell dehnt.
Wer im Herbst oder Frühjahr unterwegs ist, sollte darüber herkömmliche Winter-/Ski-Handschuhe der Wärme wegen stülpen. Insbesondere Snowboardhandschuhe eignen sich, da sie kaum Feuchtigkeit speichern und sehr rau sind. Der ultimative Tip sind allerdings ganz einfache Baumwollhandschuhe aus dem Baumarkt, die mit einer Latexschicht überzogen sind. Ursprünglich für Leute gedacht, die mit Chemikalien hantieren, bieten diese Dinger für kaum 5 € den besten Grip den ich je gesehen habe, halten einigermaßen Wasser ab und halbwegs warm halten sie auch noch: Was will man mehr??
Handschuhe und Segelstiefel verwenden wir weiter. Jetzt kaufen wir uns eine Segeljacke und eine passende Hose dazu. Gibts dabei etwas zu beachten? Aber sicher doch!
Zuerst ein schmerzlicher Grundsatz: Jeder zusätzlich investierte € lohnt sich erfahrungsgemäß. Es macht richtig Spaß, im Schietwedder mit hochgezogenem Kragen zu stehen, rundum ist die Hölle los, und man selbst ist warm und trocken eingepackt. Umgekehrt macht Segeln überhaupt ganz und gar keinen Spaß, wenn das (billigste) Material leckt und man dadurch nass, kalt und krank wird...
Zweiter Grundsatz: Man kaufe nur Bekleidung, die den Stempel atmungsaktiv trägt. Segelklamotten trägt man stundenlang und unter ständiger Bewegung, d.h. man schwitzt, und das nicht zu knapp. Diese Feuchtigkeit will irgendwo hinaus, und wenn sie das nicht kann, schlägt sie sich an der kühlsten Stelle nieder: an der Innenseite der Oberbekleidung. Mit anderen Worten: Mit der Zeit schwimmt man im eigenen Saft. Atmungsaktive Bekleidung läßt Wasserdampf hinaus ohne Feuchtigkeit hinein zu lassen. Das funktioniert ideal, wenn man das 3Layer-Prinzip beachtet (s.u.).
Wer wie ich vorzugsweise Jollen segelt, sollte zu kurzen Jacken (Blousons) greifen, da die Bewegungsfreiheit darin höher ist. Yachtsegler schwören dagegen auf lang geschnittene Jacken. An dieser Stelle nochmal der eindringliche Hinweis: Man sollte beim Kauf etwas mehr anlegen als für die billigste Jacke nötig ist - das Material wird zunehmend stabiler und das zahlt sich bei heftigem Wetter und ekeliger Vorschiffarbeit allemal aus.
Das selbe gilt für Hosen. Overalls sind zwar todschick, aber unpraktisch, insbesondere wenn man 'mal muß'. Sie werden auch kaum noch angeboten. Hosen sollten gerade im Schritt gut abgedichtet sein, am besten dort keine Nähte haben, die ansonsten innen getaped sein sollten. Immer eine Nummer größer kaufen werden, damit auch im Sitzen nichts kneift. Tip: Anziehen und in den Schneidersitz gehen. Wenn nichts kneift: kaufen, sonst Finger weg. Schönheit ist hier ausnahmsweise einmal nicht erste Priorität, sondern Tragekomfort und Dichtigkeit!
Womit wir beim 3Layer-Prinzip sind. Wer alles richtig machen will, der trägt keine Stoffe, die Feuchtigkeit speichern, also Wolle oder gar Baumwolle - weg mit Unterhemden und TShirts, die den Schweiß aufsaugen und nicht weitergeben! Stattdessen sollte man Funktionsunterwäsche aus 100%-Kunststoffen tragen, bei denen die Körperfeuchtigkeit durch das Material diffundiert. Darüber einen warmen Fleece, der ebenfalls die Feuchtigkeit einfach durchläßt, die dann durch die atmungsaktive Oberbekleidung nach draußen dringen kann. Am billigsten gibts die im Herbst bei einschlägig bekannten Kaffeevertreibern als Skiunterwäsche, aber auch von allen Segel-, Ski- und Trekkingbekleidungsherstellern.
Und wo kann man am besten Segelbekleidung kaufen? Dort, wo es das größte Angebot gibt und man die Sachen größenmäßig ausprobieren kann: Auf einer der drei großen Wassersportmessen in Düsseldorf, Hamburg und Friedrichshafen. Die meisten Hersteller sind mit Mustern vertreten und viele Verkäufer haben das ganze Programm zum Anprobieren dabei. Wer sparen will, kommt am ersten Tag, weil Auslaufmodelle vom Vorjahr dann noch in fast allen Größen zu erheblich reduzierten Preisen vorhanden sind.
Einen kleinen Materialtest findet Ihr hier.
So, dann wünsche ich viel Spaß beim aussuchen und möge die nächste Segelsaison noch besser werden als die vergangene. (Preise Stand 05/10)