oder: wie man ein Desaster macht

Der Americas Cup, eine stolze Veranstaltung mit Tradition, ein hochtechnisiertes Rennen, Sport auf höchstem Niveau. Eine Sportart, die in Deutschland von einigen hunderttausend Menschen betrieben wird, kein Vergleich zu Biathlon, Skifliegen oder Gewichtheben, schon aber zu Handball oder Fußball.

Derzeit findet vor Valencia eines der spannendsten Ereignisse des Segelsports statt, doch niemand scheint in Deutschland daran ein Interesse zu haben. Fragt man den Mann auf der Straße nach dem AC bekommt man allenfalls ein Schulterzucken. Dabei war doch gerade ein deutsches Team angetreten, die begehrte Trophäe den Amis, Kiwis und vor allem den Bergbewohnern südlich des Bodensees streitig zu machen. So schlecht standen die Chancen auch gar nicht - das was die Schweizer gleich im ersten Anlauf hinbekamen sollte doch mit tatkräftiger Unterstützung cuperfahrener Dänen und deutscher High-Tech auch von uns hinzukriegen sein, oder?

Das Thema dieses Elaborats soll nun gar nicht das unerfolgreiche Abschneiden des Teams Germany oder der vergleichsweise unspektakuläre Start der Kompetition sein, deren Rennen die ersten Tage der Flaute zum Opfer fiel - darüber mögen andere philosophieren. Aber die Teilnahme an der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Segler, wie man gern den AC nennt, sollte auch einen Boom des Segelsports in Deutschland lostreten. Die faszinierenden Duelle sollten wie weiland die Erfolge von Boris und Steffie die Jugend des Landes scharenweise in die Segelvereine treiben. Atemlos sitzt die Nation vor den Fernsehern und jubelt und trauert gemeinsam mit den Helden, deren Namen jedes Kind kennt wie damals zur Fußball- oder auch der Handballweltmeisterschaft. Von mir aus auch zu Tour-de-France-Zeiten at its best. Sponsoren wie BMW, Web.de und T-Systems, alle mit eigenen Teams vor Ort vertreten, organisieren in jeder größeren Stadt Public Viewing Areas und die Polizei hat Probleme, genügend Personal aus Heiligendamm abzuziehen.

Ist das so? Mitnichten. Der Americas Cup wurde in Deutschland zum Segelflop, anders kann man die peinliche Marketingveranstaltung kaum nennen. ARD und ZDF übertragen live - in ihren Spartenkanälen, die nur von den wenigsten Interessierten empfangen werden können. Immerhin im Internet kann man sich in einen Live-Stream einhaken, der die Bilder in bescheidener Auflösung live ins heimische Wohnzimmer bringt, kommentiert von der einschläfernden Stimme eines schläfrigen Kommentators. Von Faszination der Rennen, von Spannungsüberschlag und Hautnahkribbelfeeling keine Spur. Ein marketingtechnisches Desaster, anders kann man es nicht nennen.

BMW Oracle Racing
Kein Wunder, daß sich Jochen Schümann, der bei Alinghi für einen Teil des Erfolgs verantwortlich zeichnet, bedeckt hält wenn es um eine mögliche Nachfolgekampagne unter seiner Führung geht. Dabei muß es nichteinmal um den finanziellen Aspekt gehen, denn die Südafrikaner haben mit geringen Mitteln ein respektables Ergebnis ersegelt, auch wenn die Halbfinals von Teams betritten wurden, deren Budget im dreistelligen Euromillionen-Bereich liegt. Aber bei der Euphorie des Segelsports, wie es die Macher des Teams Germany den Fans zuhause übergebracht haben, ist es kein Wunder, wenn deutsche Konzerne ihre Finanzen allenfalls in Teams anderer Länder stecken, siehe BMW und T-Systems. Sportlich mag man unterlegen sein, das ist entschuldbar, die Gründe werden sicherlich sorgsam untersucht und der Gewinn an Erfahrung bei dieser Kampagne mag für die Zukunft Basis sein, aber die deutsche Promotion, die so wichtig für den Sport im Allgemeinen und für eine Anschlußkampagne im Besonderen wäre, wurde offenbar nur halbherzig wenn überhaupt durchgeführt. Es reicht nicht, das Boot bei dieser oder jener Wassersportmesse auszustellen und ein paar stotternde Helden vor ein Mikrofon zu stellen, selbst unsere mäßig erfolgreichen Skispringer werden live übertragen und ziehen ein Millionenpublikum vor die Fernseher wenn sie mal mit der internationalen Konkurrenz mithalten können.

Besser machen. Beim nächsten Mal. Sofern es denn ein nächstes Mal gibt.


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