Covid, oder wie man Probleme löst

An einem schönen Tag im Juni treffen sich die Herren P aus M, T aus W und Herr Xi aus P in einem Café. Und wie sie da so nett beieinander sitzen sagt der eine: "Nun lassen wir mal die albernen Kindereien beiseite - Welche Probleme haben wir denn nun wirklich, die man mal angehen müsste?"

"Nun," sagt der zweite und schluckt ein Stück Käsekuchen hinunter, "die Menschheit vernichtet sich ja offensichtlich selbst. Das mit dem Atomkrieg haben wir ja einigermaßen im Griff, aber wenn ich mir die aktuellen Prognosen so ansehe tun mir die kommenden Generationen echt leid."

"Du meinst wegen der Umweltverschmutzung? Plastikmüll? Mikroplastik?" fragt der Dritte.

"Oder denkst Du eher an das Energieproblem? Atommüll? Fossile Brennstoffe?" ergänzt der Erste.

"Das geht schon in diese Richtung. Ich meine insbesondere das Treibhausproblem. Mit ein paar Grad Steigerung der Temperatur ist es ja nicht getan, wir reden ja nicht mal von Abkühlung. Und was das beispielsweise für die Ernährung der Weltbevölkerung bedeutet. Da haben wir überhaupt keinen Plan" sagt Nummer zwei und steckt seinem Hund einen Keks zu.

"Hm, du hast recht" murmelt der Dritte und leert seine Kaffeetasse. "Wenn man mal richtig drüber nachdenkt gibt's eigentlich nur eine Ursache für den ganzen Schlamassel, wie haben einfach zuviel Leute."

"Eben. Das ist das Grundübel. Überbevölkerung. Wir haben bei uns ja schon versucht, diese dämliche Kinderkriegerei abzustellen, das mit der Ein-Kind-Familie klappt so mehr oder weniger."

"Wir haben das mit der Rente versucht, das ging ganz gut, aber mit immer weniger Einzahlern und längerer Lebenserwartung lässt sich das ganze nicht wirklich finanzieren."

"Und das löst auch nicht das Problem in den unterentwickelten Staaten, wo sie Kinder kriegen wie die Karnickel", Nummer drei wischt sich die Krümel aus dem Gesicht.

"Hm, man müsste, man müsste..." denkt der erste etwas unstrukturiert laut vor sich hin.

"Sein wir doch ehrlich" beginnt der zweite, "man müsste die Weltbevölkerung verringern. Und das schnell."

"Krieg?" schlägt Nummer drei vor.

"Ach Quatsch. Das ist voll sechziger!" empört sich der erste. "Und das macht viel zuviel kaputt. Nee, etwas subtiles, raffiniertes, etwas was vielleicht auch nur die entfernt, die eh nur kosten, die nichts mehr beitragen."

"Sags doch, wir sind doch unter uns: Du meinst die Alten und Kranken, richtig?"

Nummer drei legt den Finger an seine Nase, offenbar denkt er intensiv nach. "Also schnell, selektiv und selbstverständlich möglichst so dass niemand merkt wer es verursacht hat. Hm, wartet mal, ich muss mal telefonieren..."

Wenige Minuten später kommt er an den Tisch zurück und grinst breit: "Betrachtet das Problem als gelöst."

"Was? Wie?" bestürmen ihn die beiden anderen, aber Nummer drei gibt sich zugeknöpft: "Wartet ab, ihr werdet es schon sehen. Es ist besser wenn ihr von nichts wisst." Und auch wenn die andren beiden vor Neugier platzen, gibt Nummer drei sein Geheimnis nicht preis.

So gehen die drei alsbald auseinander und treffen sich ein Jahr später am gleichen Tisch des Cafés wieder."Gut gemacht" gratuliert Nummer eins und Nummer zwei schlägt Nummer drei begeistert auf die Schulter. "Da hätten wir auch selbst drauf kommen können. So ein Virus ist ne tolle Sache." Nummer drei schlingt selbstzufrieden ein Stück Sachertorte hinunter.

"Ich hab aber auch was tolles" beginnt Nummer eins. "Wie wäre es, wenn die Pandemie die Weltbevölkerung auch intelligenter machen würde? Also, ich meine, so durchschnittlich?"

"Wie das denn?" fragt Nummer zwei und Nummer drei ergänzt: "Habt Ihr ein Virus, das nur Dumme befällt? Das wär ja mega-selektiv!"

"Nee, das wär ja einfach. Etwas subtiler. Wir haben eine Impfung gegen das Virus."

"Das ist alles? Haben wir auch. Ich wollte ja erst nicht, aber nun bin ich doch geimpft. Besser ist besser."

"Wir auch" pflichtet Nummer drei bei. "Erzähl schon, wie funktioniert Euer Intelligenzvirus?"

"Nix Virus, eine einfache Impfung. Die schützt ganz gut. Aber jetzt kommts: Nur die Intelligenten! Die lassen sich nämlich impfen. Die übrigen, nunja..."

"Genial! Das nennt man dann wohl das Darwinsche Ausleseprinzip" prahlt Nummer drei mit seinem Wissen etwas vorlaut.

Sie sitzen noch ein Stündchen gemütlich beisammen, diskutieren dies und das und beschliessen am Ende, sich auch im kommenden Jahr an gleichem Ort wieder zu treffen.

Und so geschieht es, nur dass sich statt Herrn T ein anderer an den Tisch setzt und freundlich begrüßt wird. "Tolle Sache" meint Herr B aus W als das Gespräch auf das Virus kommt. "Sehr effektiv. Nur: So gehts nicht weiter. Wir können nicht die ganze Weltbevölkerung alle vier Monate durchimpfen. Und das ist ausserdem viel zu teuer. Das muss jetzt aufhören, ihr habt euren Spaß gehabt!"

"Na wie denn?" Nummer eins zuckt hilflos mit den Schultern. "Wie sollen wir das Virus aus der Welt kriegen? Es ist gekommen um zu bleiben!"

"Tja, die Geister, die ihr rieft, werden wir nun nicht mehr los, hm? Nein, so geht das nicht. Den Pakt mit dem Teufel müsst ihr schon ausbaden" verlangt Herr B und kleckert ein bischen Kaffee auf die frisch gebügelte Hose. "Lasst Euch was einfallen, so gehts jedenfalls nicht weiter. Gibt's nicht irgend so einen Stop-Mechanismus? Irgendwas was die Menschen schnell immun macht? Euer Virus hat sich doch rasend schnell verbreitet, kann man nicht so ne Art...

Da fällt ihm Nummer drei ins Wort: "Sags nicht, sags besser nicht! Wir haben keinen Virus in Umlauf gebracht, wer sagt denn sowas? Nein, das würden wir nie tun!! Aber Du hast mich auf einen Gedanken gebracht: Es müßte eine Variante geben, hochansteckend, dessen Krankheit möglichst unmerklich verläuft und trotzdem immun macht. Wartet mal, ich geh mal telefonieren."

Und so verschwindet Nummer drei mit seinem Smartphone. Ein paar Minuten später ist er breit grinsend wieder da: "Mission accomplished, wie ihr Amis so schön sagt. Macht euch keine Sorgen, wir regeln das schon." Und wie beim ersten mal lässt sich Nummer drei keine weiteren Details seines Plans entlocken.

Nunja, das ist auch gar nicht nötig. Es dauert nicht lange, da grassiert ein schnell verbreitendes Virus, dessen Krankheit meist mild verläuft und das die Menschen weltweit viel schneller immunisiert als es Impfungen je könnten. Und zudem ohne nennenswerte Kosten.

Kommt Euch das alles bekannt vor?

So oder ähnlich hätte es also gewesen sein können. War's aber nicht. Der Kaffee war in Wirklichkeit Prosecco, die "Herren" hiessen Ursula, Melania und Christine, und das auch nur weil Angela keinen Prosecco mag.

Vielleicht war's aber auch ein Mr. Goldfinger, der das Virus frei gesetzt hat um damit die Welt zu erpressen. Erst als ihm Agent 008 die Formel für das Stop-Virus geklaut hatte, verglühte er in einem riesigen Feuerball. Ohne dass wir kleinen Leute davon etwas bemerkt haben - man weiss es halt nicht.

Ach, was wäre die Welt langweilig ohne Verschwörungstheorien...


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