wer soll das noch glauben?
Plakativ und wohlklingend ist, was unser allseits geschätzter Bundesumweltminister zur Rettung des Klimas so von sich gibt, aber offenbar fern der Realität:
Hybridautos, die Technologie der Zukunft, sollen wir nun alle kaufen. Nur haben diese Fahrzeuge statt einem zwei Antriebssysteme, sind also rund 150kg schwerer und verbrauchen im Überlandbetrieb mehr statt weniger als ihre benzingetriebenen Vettern.
Biodiesel, nachwachsenden Rohstoff sollen wir tanken. Fachleute schätzen, daß man erst einmal 80% fossile Energie in ihn stopfen muß bevor er an der Tankstelle landet. Mal ganz davon abgesehen, daß es nach EU-Recht wie Diesel besteuert wird und damit nicht konkurrenzfähig ist (Hallo, Herr Gabriel, Sie sind derzeit Vorsitzender der EU-Umweltministerkonferenz!). Stattdessen werden in Malaysia riesige Mengen Urwald heiß in CO2 verwandelt, damit dort Palmöl produziert werden kann, das dann buchstäblich um die halbe Welt geschippert wird.
Flugverkehr soll in den Emissionshandel einbezogen werden, damit jede zusätzliche Meile teurer wird. Gabriel will es offenbar wie sein Kollegen Wirtschaftsminister Müller (beide SPD) machen (der ausgerechnet von RWE und Veba kam und jetzt - wie treffend - die Geschäfte der Ruhrkohle AG leitet), die hat den Energieunternehmen die Emissionsrechte geschenkt, sie werden derzeit für einstellige Euro-Beträge gehandelt. Folge: Derzeit sind 28 neue Kohlekraftwerke geplant. Achtundzwanzig!
Repräsentable Firmenwagen sollen nicht mehr von der Steuer absetzbar sein - ob das die Firmen ernsthaft dazu bewegen wird, auf Polo, Fox und Lupo umzusteigen?
Gas macht abhängig, Kohle und Erdöl werden in der Atmosphäre endgelagert, Atomkraft ist gefährlich - bleibt nur, Energie im Ausland zu kaufen; wie die wohl produziert wird? Sieht so die Umweltpolitik aus, für die Gabriel steht?
Vielleicht wäre es zielführender, sich mal mit den wirklich relevanten Fragen zu beschäftigen, mit den Mißständen, die zum Teil im Grunde unnötig die Umwelt belasten und relativ einfach zu beseitigen wären, für die man aber etwas Grips und Überzeugungsarbeit aufbieten müßte:
Warum sitzen in zweidrittel aller Autos nicht mehr als eine Person? Und was kann man dagegen tun?
Warum ist die Hälfte der Autos in der Stadt auf der Suche nach einem Parkplatz?
Warum fahren Singels Autos mit vier Sitzen durch die Gegend? Warum fahren Mütter mit Kleinbussen zum Kinderarzt? Warum werden Kombis gekauft wenn man den bloß für den familiären Urlaub braucht?
Warum funktionieren Mitfahrzentralen und Carpools (Parkplätze an Autobahnausfahrten) in Zeiten der globalen Vernetzung mit Händis, Internet usw. so schlecht?
Warum müssen wir Stunde um Stunde wegen dem Verkehrsaufkommen nicht gewachsenen Autobahnen im Stau stehen und so tonnenweise CO2 ohne jeglichen Nutzen in die Luft pusten?
Warum stehen wir immer noch in verkehrsarmen Zeiten an roten Ampeln, die kaum oder keinen Querverkehr haben?
Warum ist es möglich, daß Umgehungen wegen seltener Eidechsen, Vögel, Frösche, Hamster nicht gebaut werden, so daß der Verkehr sich stattdessen stop-and-go durch Ortschaften zulasten der Umwelt (und ganz nebenbei auch der Anwohner) quälen soll?
Warum lohnen sich immer noch Container-Transporte, Post- und Paketverteilung im Fernverkehr per Diesel-LKW? Warum kostet die Milch aus Sachsen und Bayern in NRW die Hälfte als die heimische?
Warum diskutieren wir stattdessen heftigst über Tempolimits, wenn es kaum noch Stecken gibt, wo es keines gibt (und wo ansonsten angesichts des Verkehrsaufkommens schnelleres fahren eh kaum möglich ist)?
Warum werden großzügig Ausnahmegenehmigungen für dreckige LKWs erteilt wenn die Innenstädte bei zu hoher Feinstaubbelastung gesperrt werden während katalysator-ausgerüstete Benzin-PKWs, die kaum Feinstaub emittieren, stattdessen ausgesperrt bleiben? Warum werden bei hoher Ozon-Belastung Fahrverbote angeordnet wenn doch gerade die Luftpartikel Voraussetzung für den Abbau des Ozons sind?
Warum hat z.B. ganz Köln, Millionenstadt und Pendlermetropole, nicht mehr als 5600 Park&Ride-Parkplätze, viele in grauslichem Zustand? Warum unterquert z.B. in Bonn eine Stadtbahn die Autobahn ohne daß auf benachbartem freien Feld ein Parkhaus mit AB-Anschluß für Pendler besteht? Diese Beispiele lassen sich auf nahezu jede bundesdeutsche Großstadt übertragen.
Warum findet z.B. die Diskussion über den Klima-Gau im Hotel Petersberg statt, einem Ort, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln nun gerade überhaupt nicht erreichbar ist?
Warum verschickt mitten in der größten CO2-Hysterie SWF3 50 Hörer mit dem A380-Jungfernflug für einen Tag nach Hongkong und am nächsten wieder zurück, und keiner regt sich darüber auf?
Warum düngen Bauern ihre Felder mit Gülle, die dann mit sehr klimaschädlichen Methan produzierenden Rindviechern wieder kurz gehalten werden müssen, statt die Fracht zu Biogas zu verarbeiten?
Herr Gabriel, Sie haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, Sie befinden sich damit in schlechter Gesellschaft mit vielen politischen und journalistischen Gutmenschen. Woran fehlts denn - am Mumm??