Ich war so bescheuert, ich war so behämmert,
manchmal dauerts bei mir lang bevor was dämmert.
Die große Liebe hast du mir so oft beteuert,
ich war so behämmert und ich war bescheuert!
Es wird zwanzig Jahre her sein, daß ich pünktlich wie die Uhr
ich mich schmachtend dort gefragt habt: Es ist spät, wo bleibt sie nur?
Doch wenn du dann endlich kamst nach ein paar Stunden
hab ich schon bei deinem Anblick Glück empfunden.
Als wir uns ein Jahr so kannten sagte ich zu dir noch 'Sie',
bis auf zwei, drei zarte Küßchen blieb die Liebe Theorie.
Stand auf achtzig auch bei mir das Thermometer,
du nahmst züchtig meine Hand und hauchtest: 'Später!'
Bis ich dann aus allen Wolken fiel,
du triebst mit vielen andern außer mir dies Spiel!
Ich war so bescheuert, ich war so behämmert,
manchmal dauerts bei mir lang bevor was dämmert.
Die große Liebe hast du mir so oft beteuert,
ich war so behämmert und ich war bescheuert!
Und nun fragst du so wie damals: 'Schätzchen, krieg ich einen Tee?'
und du ißt von meinem Teller, tritst mir näckisch auf den Zeh,
und du sagst in einem Ton, der einmal flott war:
'Alte Liebe ist wie Unkraut: unausrottbar!'
Du bist viel zu dick gepudert und dein Hut ist arg verbeult
und du weinst so theatralisch wie man bei Courths-Mahler heult,
du rauchst Kette und du sprichst von alten Tagen,
und nach dem siebten Cognac wagst du mir zu sagen:
'Du warst für mich der Liebste auf der Welt -
mir gehts dreckig, Schätzchen, gib mir etwas Geld.'
Und ich sag: So? Gehts Dir dreckig?
Find ich bescheuert, find ich behämmert.
Daß ich der Liebste war macht mich jetzt ganz belämmert.
Wo sind die andern Liebsten, die mit dir geschlemmert?
Herr Ober!
Die Dame möchte zahlen!
Alles!
Bin doch nicht bescheuert...